Was wir von unseren Kindern lernen können

Immer glauben wir, wir müssten den Kindern alles beibringen, sie er-ziehen. Sie tragen schon so vieles in sich, was sie ganz natürlich (aus-)leben, das wir uns auch mal von ihnen abschauen dürfen – vor allem ihre kindliche Leichtigkeit und Freude!

Präsenz, Freude und Flow

Kids sind, wenn sie was machen, eigentlich immer „da“, solange es ihnen nicht anders beigebracht wird oder sie es sich von selbst anders abschauen. Sie machen immer eines nach dem anderen und nicht x Dinge auf einmal. Das bringt sie viel eher in den „Flow“-Zustand, in dem du Zeit und Ort vergisst, dich vollkommen im Moment verlierst und einfach Freude an dem hast, was du gerade tust. Das ist fast schon meditativ. Außerdem sind sie dabei voll und ganz auf EINE Sache konzentriert und vertieft. Sie kennen kein Multi-Tasking. Ich bin auch kein Fan mehr davon. War ich früher noch stolz darauf, alles auf einmal (und nichts davon richtig und schon gar nicht mit vollem Einsatz und von Herzen) erledigen zu können, freue ich mich heute, wenn ich es bewusst anders mache und auch zu den Kindern, wenn sie etwas von mir brauchen, die Waschmaschine ruft und ich schon dringend auf’s Örtchen muss sage: „Eins nach dem anderen.“ Kinder machen nichts, um zu… – das kommt erst dann, wenn sie ausreichend bewertet wurden und beginnen Dinge zu tun, um z.B. zu gefallen. Doch eigentlich sind sie so angelegt, dass sie Beschäftigungen nachgehen, weil sie Freude machen – und das kann Putzen und Legospielen gleichermaßen sein. Auch wir dürfen uns gerne überlegen, was uns Freude macht und dieser Freude nachgehen. Ich habe Bekannte, die gar nicht mehr wissen, was ihnen eigentlich Freude bereitet – also noch ein Punkt, den wir uns von den Kleinsten abkupfern könnten. Spielen ist Lernen. Auch wir dürfen wieder spielen und müssen das Leben nicht immer so ernst nehmen. Übrigens dürfen wir auch mit Kindern mitspielen und müssen nicht immer nur zusehen.

Müßig sein

Kinder können viel besser einfach mal nur sein. Oft sitzen sie da und tun einfach nichts. Manche Eltern haben dann das Gefühl, sie müssten eingreifen, das Kind bespaßen, damit ihm ja nicht langweilig wird oder es sich gar vernachlässigt fühlen könnte, weil es einmal nichts tut. Dabei ist das etwas, das wir uns ruhig in unserem Leistungs- und Erledigungsdruck von ihnen abschauen dürfen. Wir erlauben es uns oft gar nicht mehr, einfach nur zu sein. Ein Punkt, an den ich mich auch immer wieder erinnern muss.

Vergebung

Wenn Kinder streiten, sind oft die Gefühle heftig. Doch wenn das Gewitter vorbei ist, scheint die Sonne. Da gibt es keinen Groll, kein Nachtragendsein. Übrigens glaube ich, dass wir Erwachsene uns da zu oft einmischen und sich die Kids viel öfter alles selbst ausmachen könnten. Und warum machen wir das? Natürlich, weil wir nicht wollen, dass ein Kind zu Schaden kommt aber auch oft, wenn das eigene Kind der „Übeltäter“ zu sein scheint, um vor den anderen nicht schlecht dazustehen. Dabei bekommen wir manchmal gar nicht die ganze Situation mit – wer womit tatsächlich angefangen hat – und sind auch mit dem Urteil manchmal sehr schnell. Dabei ist es vielleicht gar nicht so wichtig – im Gegenteil sogar förderlich, wenn wir nicht immer Richter spielen und den Kindern mehr zutrauen. Ich habe auch schon Artikel gelesen die so weit gehen, dass vom Streit schon blutige Geschwister nicht voneinander getrennt werden und sie das lernen müssen, sich selbst auszumachen. Ist ehrlicherweise nicht mein Geschmack, aber hier muss jeder selbst entscheiden, wieviel Freiheit und wieviel Rahmen er oder sie gibt.

Bewertung

Ähnlich wie beim besprochenen Urteil bewerten Kinder anfangs noch nicht ob z.B. Rosa eine Mädchen-, oder Blau eine Bubenfarbe ist, Sonne und Regen werden noch gleich beurteilt oder vielleicht auch gar nicht, usw. Wenn nicht alles immer be- u. verurteilt und bewertet wird, sondern die Dinge, Handlungen, Kinder an sich einfach nur gesehen werden, spürt man – zumindest geht es mir so – gleich mal eine große Erleichterung in der ganzen Denkweise. Das fängt bei uns selbst an. Ich bin. PUNKT (nicht dünn, dick, groß, klein, krank, gesund). Es regnet. Das Kind malt etwas – was übrigens auch eine typische Bewertungssituation ist. Vielleicht wurdest du schon mal von (d)einem Kind aufgefordert, die gestaltete Zeichnung anzuschauen. Dabei braucht es kein beiläufiges oder auch gerne mal übertriebenes: „Oh, das ist aber schön!“, sondern eher ein interessiertes „Oh, was hast du denn da gemalt? Magst du mir etwas darüber erzählen?“ Dabei lernen sie ja auch, dass sie „schön“ zeichnen sollen und nicht das zum Ausdruck zu bringen, was gerade da ist. Natürlich finden Kinder auch mal was ganz toll oder ganz doof – doch bewerten sie nicht immer ständig alles in der Intensität, Art und Weise, wie wir Erwachsene das tun.

Instinkt

Wenn noch nicht anders antrainiert – und da muss ich meine Kinder mittlerweile auch schon etwas ausklammern – wählen Kinder bei entsprechender Auswahl Nahrungsmittel aus, die ihnen guttun und die sie gerade brauchen. Und das nicht vermischt so wie wir das tun und uns damit gerne überessen, sondern einzeln. In Untersuchungen hat man Kindern 30 Lebensmittel über einen bestimmten Zeitraum (ich weiß nicht mehr wie lange) zur Auswahl gestellt und beobachtet, was sie davon nehmen. Das war bei jedem Kind anders. Ein Kind hat vermehrt zu Tierleber gegriffen. Dieses Kind war an Rachitis erkrankt und in der Leber war vergleichsweise das meiste Vitamin D enthalten. So hat es instinktiv das gewählt, was es in dem Moment am meisten brauchte. Die Ernährung war also auch bei einigen Kindern eher einseitig. Diesen Instinkt haben sie uns eindeutig voraus. Wir könnten uns viel Kummer, Leid, Stress und negative Selbstbewertung ersparen, wenn wir unserem Instinkt folgen könnten und genau spürten, welche Ernährung gerade gut für uns ist, was wir brauchen und vor allem wieviel davon. Da kann man aber wieder hinkommen. Der wichtigste Punkt dazu: So natürlich essen wie möglich.

Bewegung

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Kaum ein Erwachsener – wenn, dann vielleicht ein Hochleistungssportler – schafft körperlich im Verhältnis das, was Kids draufhaben. Und wir? Nehmen lieber den Aufzug, das Auto, sitzen den ganzen Tag am Schreibtisch und müssen dann zusätzlich Zeit und Geld fürs Fitnessstudio aufwenden. Hast du schon mal ein (kleines) Kind im Fitness-Studio gesehen? Wenn ja, ist das wohl eher die Ausnahme 😊. Und das nicht, weil sie noch keine Gewichte stemmen können, sondern weil sie sich einfach untertags und zwischendurch immer wieder ausreichend bewegen. Das ist auch genau der Punkt, den ich für gestresste Mamas immer gerne erwähne: Fokus auf Bewegung anstatt auf Sport. Mit Kindern kann man sich wunderbar mitbewegen, auch am Spielplatz selber mal rumturnen oder beim Kind-Antauchen auf der Schaukel selbst zwischendurch Kniebeugen, etc. machen. Im Alltag ergeben sich unzählige Möglichkeiten, in denen wir wählen können, unseren Körper zu bewegen. Und sei es nur die Treppe statt dem Aufzug oder nach Möglichkeit die Wahl der öffentlichen Verkehrsmittel anstatt des Autos. In der Mittagspause kann man eine leichte Jause zu sich nehmen und anschließend einen Spaziergang machen, anstatt die Zeit der Pause auch wieder sitzend zu verbringen.

Es liegt an uns, sie zu unterstützen, das zu entfalten was in ihnen steckt. Anstatt zu tadeln dürfen wir unsere Werte vorleben, ihnen Sicherheit und Freiheit so wie sie es brauchen geben, sie als das zu sehen, was sie sind und auch mal Kinder zum Vorbild nehmen vor allem wenn es um Instinkt, Bewegungsdrang, Bewertung, Vergebung, Freude und Präsentsein geht.

Alles Liebe und kindliche Leichtigkeit!

Deine Manu

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